Das langsame Aussterben der Menschheit
- 21. Dez. 2025
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Jan.
Vor 250 Mio. Jahren begann die Herrschaft der Dinosaurier. Oder Dinos, wie ich sie liebevoll nenne. Sie überdauerten 3 Äras (Trias, Jura & Kreidezeit) fast 200 Mio. Jahre, bis ihre Zeit - vor 66 Mio. Jahren - ein jähes Ende nahm. Ein mächtiger Asteroideneinschlag auf der heutigen Insel Yucatán (Mexiko), war der Grund, dass alle Dinosaurier für immer von unserer Erde verschwunden sind. Weiterleben tun sie nur noch in den Bilderbüchern und unseren Fantasien. Geologisch gesehen befinden wir uns aktuell im Zeitalter Holozän, wo wir Menschen die aktuellen Oberhäupter dieser Erde darstellen. Im Vergleich zu den Dinos begann die Reise des Menschen erst vor knapp 6 Mio. Jahren. Den modernen Menschen gibt es sogar erst seit 300.000 Jahren. Das sind gerade mal 0,2 % der Zeit, indem die Dinos die Erde bevölkert haben. Ich denke nicht, dass unsere Zeit annähernd so lange anhält, wie die der Urzeitmonster. Ich frage mich aber, was unser Schicksal mal sein wird. Irgendwann wird es doch sicher wieder eine Apokalypse geben, indem alles auf 0 gestellt wird. Wird es auch eine höhere Gewalt aus der Galaxy? Ich, vermute dass uns da etwas zuvorkommt.

Was könnte das denn sein? Ich vermute tatsächlich, dass wir Menschen unser eigenes Schicksal besiegeln werden und wir uns irgendwann selbst auslöschen. Wir haben auch schon längst damit begonnen. Denn es gibt da etwas, was uns nicht ganz so schnell wie ein Asteroid zerstört, sondern viel langsamer, unauffälliger und schleichender. Eine Erfindung des 21. Jahrhunderts, die der Mensch selbst erschaffen hat. Etwas, das alles, ja wirklich alles für uns verändert hat. Etwas, das so eine große Tragweite hat, wie keine andere Erfindung der Neuzeit. Etwas, was wir mehr Priorität einräumen, als alles andere. Etwas, was aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken ist.
Das Smartphone.
Aber von vorne. Ich erinnere mich sehr gerne an eine Zeit zurück, als davon noch keine Spur zu sehen war. Und das ist noch gar nicht so lange her. Reisen wir mal gemeinsam in die 1980/90-Jahre. Die klassische technische Ausstattung in damaligen Haushalten hatte einige Highlights zu bieten. Ein Küchen-Radio, wo wir die Frequenz an einem Regler einstellen mussten. Ein Kassettenrekorder vor dem wir stundenlang saßen, um unseren Lieblingssong aufzunehmen und als es so weit war, voller Panik die falsche Taste gedrückt haben. Einen VHS-Rekorder zum Filme schauen, die man sich in der Videothek ausgeliehen hatte. Ärger gab es, wenn die Filme nicht zurückgespult wieder zurückgegeben wurden. Einen Röhrenfernseher mit Antenne und maximal 5 Sendern, die man am Gerät, ohne Fernbedienung, betätigen musste. Ein Festnetztelefon mit Drehscheibe oder sogar Kurzwahltasten, die wir aber nie brauchten, da wir alle wichtigen Telefonnummern auswendig konnten. Einen sperrigen Heimcomputer mit Windows 95, der tagelang kompliziert eingerichtet werden musste. Ein Modem mit AOL-Internetanschluss, das sich minutenlang ins World Wide Web einwählen musste, merkwürdige Pieptöne von sich gegeben hat und parallel die Telefonleitung blockierte. Einen Fotoapparat irgendwo in einer staubigen Schublade, bei der man noch Kamerafilme einlegen musste und damit maximal 24-36 Fotos pro Film machen konnte. Ob die Bilder etwas geworden sind, hat man erst Tage/Wochen später herausgefunden, da man diese im Drogeriemarkt des Vertrauens entwickeln lassen musste. Navigationsgeräte waren auch langsam im Kommen und haben den guten alten Straßenatlas ersetzt. Und es durfte natürlich in keinem Kinderzimmer ein Gameboy und eine Nintendo-Spielekonsole fehlen.

Ganz schön viele Geräte. Wäre es nicht toll alles in einem Gerät zu vereinen? Das klingt doch klasse. Das tut es, tatsächlich. Die Geburtsstunde des Handys. Heute besser bekannt als Smartphone. Herzlich Willkommen auf unserer Erde. Oder doch nicht? Naja, letztlich ist es vergleichbar mit einem Außerirdischen, der die Welt einnehmen möchte. Klingt übertrieben? Leider nicht. Das ist Realität geworden. Sein UFO, nennen wir es Internet, hat die Reise zu uns erst möglich gemacht. Seitdem lassen wir uns, ohne dass wir es bemerken, von dem Außerirdischen ziemlich versklaven. Tagtäglich. Stundenlang. Wir flüchten in jeder freien Minute in dieses virtuelle Paralleluniversum. Das Smartphone bietet uns eine endlose Welt voller Spiel, Spaß und Überraschung.
Es lauern dort sehr viele Gefahren, die uns immer weiter weg von unserer eigenen Natur ziehen. Unser Leben läuft nur noch auf Bildschirmen ab. Für alles gibt es mittlerweile Apps, die unsere Abhängigkeit verstärken. Social Media ist mittlerweile eine Plattform, die Menschen nicht miteinander verbindet, sondern einsamer macht als jemals zuvor. Künstliche Intelligenz (AI) verlernt uns das Denken, Lernen und Kreativ sein. Es ist eine Illusion, die wir nicht mehr von der Wirklichkeit unterscheiden können. Das Smartphone macht uns das Leben in vielen Bereichen viel zu leicht. Aber ist leichter, auch besser? Nein. Wir haben angefangen ein zweites Leben in einer digitalen Welt zu führen. Eine Welt, die weit von der Realität entfernt ist und noch weiter von unseren Ursprüngen.
Zum Schutz unserer jüngsten Generation plädiere ich dafür, ein Gesetz zu verabschieden, dass die Nutzung eines Smartphones im Kindesalter strengstens verbietet, erst frühestens ab dem 13. Lebensjahr zugänglich macht und bis zum vollendeten 18. Lebensjahr massiv in den nutzbaren Inhalten einschränkt. Ich finde eine echte Kindheit/Jugend kann nur offline (!) stattfinden. Die Generationen, die ein Leben ohne Smartphone kennen, gibt es nämlich bald nicht mehr. Bald kann niemand mehr berichten, wie lebenswert alles ohne war. Es breitet sich so rasant aus, wie ein Virus. Wir alle sind infiziert. Schaut euch mal um und ihr werdet es selbst auch sehen. Von jung bis alt. Wir sind zu Sklaven eines Gerätes verkommen. Aber wie konnte es so weit kommen?

Mobilität & Flexibilität
Durchgesetzt hat sich das Smartphone, weil es bequem, leicht zugänglich, klein und immer griffbereit ist. Die praktischste Erfindung aller Zeiten. Eine virtuelle Komfortzone. Ein Mini-Computer für die Hosentasche.
Unterhaltung & Vergnügen
"Doomsurfing" bezeichnet das zwanghafte und exzessive Konsumieren von digitalen Medien. Wir haben verlernt Langeweile als Gefühl zu akzeptieren. Es fühlt sich für uns unangenehm an, weil wir in einer reizüberfluteten Welt leben und nichts anderes mehr kennen und akzeptieren wollen. Wir möchten konstant unterhalten werden und ständig mit neuen Glücksgefühlen versorgt werden.
Information & Kommunikation
Auch bekannt als "FOMO - Fear of missing out". Wir haben Angst etwas zu verpassen. Wir möchten immer und überall informiert sein. Über alles, was in der Welt gerade so los ist. Das Gefühl von Uninformiertheit können wir nicht mehr ertragen. Die Benachrichtigungen am Smartphone ermöglichen uns in Echtzeit über alles auf dem aktuellsten Stand zu bleiben. Außerdem können wir jederzeit und überall mit Menschen auf verschiedensten Plattformen kommunizieren.
Gesellschaft & Gewohnheit
Es wird uns vorgelebt. Ein gesellschaftliches "Must-Have". Wir haben uns dieses Verhalten über die Jahre antrainiert. Mittlerweile ist es so absurd, dass es als normal angesehen wird sich mehr auf dem Smartphone zu beschäftigen, als mit allen anderen Dingen. Wir investieren dadurch mittlerweile mehr Zeit in das Leben anderer, als in unser eigenes.
Werbung & Apps
Algorithmen merken sich alles wonach wir suchen und was uns interessiert. Das Smartphone individualisiert Werbung nach den eigenen Bedürfnissen & Wünschen. Das löst bei uns immer wieder Interesse, Neugier & Verlangen aus. Wir werden dazu verleitet Dinge zu kaufen, neue Apps auszuprobieren und sämtliche Medien zu konsumieren.

Geben wir es zu. Es ist zur Sucht geworden. Es hat uns ganz fest im Griff. Wir verabschieden uns langsam vom Menschsein - mental, emotional, seelisch. Das dürfen wir nicht zulassen. Wir müssen uns freikämpfen. Wir brauchen einen Ausweg. Das ist ungesund. Daher müssen wir uns die Frage stellen, wie wir einen Weg finden können einen gesunden Umgang mit dem Gerät zu pflegen. Lasst uns mal einige praktische Tipps für den Alltag durchgehen, die uns wieder ins Leben zurückholen. Sie werden unsere Laune aufhellen, unseren Selbstwert erhöhen, unser Wohlbefinden steigern, unsere Ängste besiegen, unsere Kreativität fördern, für besseren Schlaf sorgen, unsere zwischenmenschlichen Beziehungen verbessern und noch vieles mehr.
Tipp 1: Bewusstsein schaffen |
Schafft euch selbst Bewusstsein über eurer Verhalten. Beobachtet euch, wann ihr aus Gewohnheit zum Smartphone greift. In dem Moment ergreift ihr Aktion und sucht euch bewusst eine andere Beschäftigung, der ihr nachgehen könnt. Egal was, es muss nur bildschirmfrei sein. |
Tipp 2: Augen entspannen |
Eure Augen brauchen regelmäßig Erholungspausen, da sie übermäßig lange auf sehr kurzer Entfernung in unnatürliches Licht starren. Die Augen brennen ab einem gewissen Punkt. Sucht euch einen Ort, am besten in der Natur (oder ein Fenster) und richtet den Blick in die Ferne. Weit zu schauen ist pure Entspannung für eure Augen. |
Tipp 3: Töne deaktivieren |
Ständig piepst, bimmelt und vibriert das Ding. Selten steht es ruhig. Geht in die Einstellungen eures Smartphones und stellt sämtliche Töne & Vibrationen auf lautlos. Das wird euch helfen nicht immer wieder nachzuschauen, was es (unwichtiges) Neues gibt. |
Tipp 4: Farben deaktivieren |
In den Einstellungen eures Smartphones könnt ihr euch einen Kurzbefehl neben die "Home-Taste" anlegen, welches die Farben auf eurem Bildschirm mit einer Berührung auf "Schwarz-Weiß" (Graustufen) umstellt. Durch das Ausschalten der Farben wirkt alles visuell weniger attraktiv. Wir legen das Smartphone schneller beiseite und verbringen somit weniger Zeit daran. |
Tipp 5: Nachrichten deaktivieren |
Deaktiviert/Reduziert eure Push-Nachrichten. Wenn immer wieder neue Pop-Up-Meldungen aufblinken, ziehen sie euch immer wieder in die digitale Welt. Nicht immer direkt informiert und auf dem aktuellsten Stand zu sein, ist oftmals die Ruhe, die ihr braucht. |
Tipp 6: Bildschirmzeit festlegen |
Ganz ohne Smartphone wird für viel kaum mehr möglich sein. Legt euch fixe Uhrzeiten fest, in denen ihr euch mit dem Smartphone beschäftigen dürft. Den Rest der Zeit lasst ihr bitte die Finger davon. Es gibt auch Apps, die das Smartphone nach einer bestimmten Nutzungsdauer sperren. |
Tipp 7: Bildschirmfreie Zeit festlegen |
Legt euch Uhrzeiten fest, in denen ihr nicht auf das Smartphone schauen dürft. Versucht beispielsweise mal die ersten 1-2 Stunden und die letzten 1-2 Stunden des Tages kein Smartphone zu nutzen. Ohne Bildschirm in den Tag zu starten und zu beenden ist ein "Game-Changer". |
Tipp 8: Schafft euch Raum |
Wenn ihr irgendwo in Gesellschaft oder alleine zu Hause seid, legt das Smartphone bitte weg oder in einen anderen Raum. Da es nicht griffbereit ist, nutzen wir es auch nicht. Wenn ihr unterwegs seid, dann darf es auch mal zu Hause bleiben. Dann kommt ihr gar nicht erst in die Versuchung es zu nutzen. Ihr werdet gezwungen euch mit dem zu beschäftigen, was gerade um euch passiert. Es wird anfangs ungewohnt sein, euch aber achtsamer machen und das reale Leben wieder wahrnehmen. |
Tipp 9: Dumbphone zulegen |
Warum nicht technisch ein paar Jahre (Jahrzehnte) zurückgehen. Legt euch ein "Dumbphone" zu, dass nur SMS schreiben und anrufen kann. Das muss nicht das Erst-Telefon sein. Es geht natürlich auch als Zweit-Telefon, was ihr auch notfalls für unterwegs mitnehmen könnt, wenn ihr tatsächlich mal erreichbar bleiben müsst. Ablenken wird euch das definitiv nicht in der gewohnten Art & Weise. |
Tipp 10: Smartphone Detox |
Es geht auch noch radikaler. Schließt das Smartphone einfach mal ganz weg. Zum Beispiel an ausgewählten Uhrzeiten, Tagen oder mal das ganze Wochenende lang. Ihr werdet merken, wie befreiend das für die Seele sein wird. |

Ihr seht. Aktuell sind wir auf dem besten Weg zu Cyborgs zu werden. Ein Wesen, dass biologische, als auch künstliche Komponenten besitzt. Halb Mensch, halb Maschine. Aber jede einzelne Tipp bringt uns wieder einen Schritt zurück ins reale Leben. Es gibt uns stufenweise wieder die Möglichkeit uns als Mensch wahrnehmen zu können. Lasst uns wieder Mensch sein... und bleiben.
Wenn ihr jetzt einen Knopf drücken könntet, der den Fortschritt jeglicher Technologie unmittelbar und für immer einfriert, würdet ihr ihn drücken?
"Ich glaube wir haben keine Wahl. Wir müssen ihn jetzt drücken. Sofort!"
Wenn dieser Knopf schon immer existiert hätte. Wann hättet ihr ihn gedrückt?
"Ich hätte den Knopf Ende der 1990er Jahre/ Anfang der 2000er Jahre gedrückt. Die Zeit, die ich mir sehnlichst zurückwünsche. Die Zeit, in der wirklich alles besser war. Glücklicher. Natürlicher. Menschlicher."
Leider ist das rein hypothetisch. Der Knopf existiert nicht. Der Ausblick auf die Zukunft bleibt daher sehr düster. Der Erfindungsreichtum der Menschen ist das, was uns von allen anderen Spezies auf dieser Erde abgrenzt hat. Es hat uns zur größten Macht der Erde wachsen lassen. Und genau das, wird irgendwann auch unser eigener Untergang sein. Es wird irgendwann etwas erschaffen werden, dass schlauer & stärker ist, als wir selbst. Etwas, das größer ist, als sein Meister. Die dunkle Macht, die das Ende der Menschheit besiegelt. Nicht mental, nicht emotional, nicht seelisch, nein physisch. Die Zeit des Menschen wird ablaufen. Die Frage ist nicht ob, sondern wann.


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