Lang lebe die Königin
- 22. März
- 7 Min. Lesezeit
"In einem unbekannten Land. Vor gar nicht allzu langer Zeit. War eine Biene sehr bekannt. Von der sprach alles weit und breit... und diese Biene die ich meine, nennt sich Maja. Kleine, freche, schlaue Biene Maja. Maja fliegt durch ihre Welt. Zeigt uns das, was ihr gefällt. Wir treffen heute unsere Freundin Biene Maja. Diese kleine freche, Biene Maja. Maja, alle lieben Maja. Maja, Maja. Maja, Maja. Maja, erzähle uns von dir."
Was ist das für ein absoluter Klassiker unter den Titelsongs der Zeichentrickserien. 1975 entstand dieses Meisterwerk. Am 09. September 1976 feierte "Die Biene Maja" im ZDF ihre TV Premiere, wo tausende von Kinderohren das Lied zum 1. Mal hören durften und seitdem auch für immer in ihrer Erinnerung behalten haben.

Warum taucht jetzt Biene Maja plötzlich in einem Ernährungsblog auf? Na, strengt doch mal eure Köpfchen ein bisschen an. Um was könnte es heute denn gehen. Aja, bestimmt um den leckeren Honig, den sie uns bringt. Das wäre auch mein erster Gedanke bei der Frage und lag auch ein bisschen auf der Hand, was? Ja, das war doch recht offensichtlich. Aber tatsächlich geht es heute nicht nur um den süßen Nektar der Natur. Sondern? Es geht um noch so viel mehr, welche Bedeutung die Biene für unsere Ernährung hat und was ein Aussterben der Biene für unser ganzes Ökosystem bedeuten würde. Uiii! Jetzt sind wir neugierig. Worauf wartest du noch? Wir sind bereit. Du kannst loslegen. Einen Augenblick noch bitte. Denn ich habe jemanden eingeladen, der den heutigen Blog für mich schreibt, weil sie sich rund um das Thema am besten auskennt. Ich richte nun das Wort an unseren heutigen Gast - unsere liebe Biene Maja.
Hallo, ich bin die Biene Maja und erkläre euch heute ein bisschen über uns Bienchen. Hallo Biene Maja. Wir freuen uns auf deine Geschichte. Ich freue mich auch sie euch zu erzählen. Wir sind nämlich ganz wundervolle Lebewesen, die schon zu Zeiten der Dinosaurier auf der Mutter Erde umherfliegen. Wusstet ihr, dass wir Bienchen nur eine Lebensdauer von ca. 6-8 Wochen haben? Oh wirklich, das ist ja traurig. Ja, das finden wir auch. Und in dieser Zeit arbeiten wir wirklich hart. Daher kommt der Name "fleißiges Bienchen" nicht von ungefähr. Es gibt weltweit über 20.000 Bienenarten. Fast alle davon gehören zur Gattung der Wildbienen und nur ca. 10 Arten zu den Honigbienen. Und meine Familie die Honigbienen besuchen wir jetzt auch gleich mal gemeinsam.

Unser Volk besteht aus ca. 50.000 (+/-) Honigbienen mit nur einer einzigen Königin namens Regina (lateinisch für Königin). Sie ist das Herz unseres Volkes, kann bis zu 5 Jahre alt werden und ihre Hautaufgabe ist es Eier zu legen - bis zu 2.000 pro Tag. Männliche Bienen, die sogenannten Drohnen, wozu auch mein Freund Willy gehört, machen nur ca. 10% unseres Honigbienenvolkes aus. Sie haben die exklusive Aufgabe die Bienenkönigin auf dem Hochzeitsflug zu beglücken. Leider überleben sie die Paarung nicht. Sie opfern sich für das Überleben unseres Volkes. Sie sind unsere Helden. Sie fliegen dann direkt in den Bienenhimmel, wo sie uns von oben zuschauen. Die weiblichen Bienen, also u.a. ich, sind die Arbeiterinnen und repräsentieren ca. 90% unseres Volkes. Die Aufgaben innerhalb und außerhalb unseres Bienenstocks sind vielfältig. Es gibt ganze Berufsgruppen, wie z.B. Putzbienen, Baubienen, Fütterbienen, Wächterbienen, Wärmebienen und Sammlerbienen. Jede Biene hat ihren Platz und ihre spezielle Aufgabe bei uns.
Und wie ist das mit dem Honig, liebe Biene Maja? Wie macht ihr das denn genau? Zeige ich euch. Kommt einfach mit mir mit. Wir unternehmen jetzt gemeinsam eine Reise zum süßen Gold. Flügelschlag aktivieren und los geht's.
Wir Honigbienen sammeln den Nektar aus Blüten oder Honigtau von Blättern. Wir unterscheiden also zwischen Blütenhonigen und Honigtauhonigen. Den Nektar/ Honigtau saugen wir durch unseren Rüssel auf und füllen diesen dann in unsere Honigblase in unseren Bauch. Im Bienenstock wird der Nektar/ Honigtau weiterverarbeitet, durch unseren Speichel mit wichtigen Enzymen und Mineralien angemischt und ihm Wasser entzogen, damit er nicht gärt oder verdirbt. Anschließend lagern wir diese Essenz in Waben und verschließen sie mit Wachs. Das alles stellen wir übrigens selbst her, mit Hilfe der Wachsdrüse an unserem Popo und unserem cleveren Köpfchen.
Achtung und jetzt kommt's. Für ein Kilogramm Hönig müssen wir Bienen ca. 2-4 Mio. Blüten anfliegen, was ca. 80.000-120.000 km entspricht. also 2-3x um die ganze Erde. Schätzungsweise sind ca. 400 Bienen notwendig, die ihr ganzes Leben dafür aufbringen um euch Menschen ein Glas Honig zu liefern. Eine einzelne Biene schafft es ungefähr auf einen kleinen Teelöffel Honig in ihrem Leben. Also, beim nächsten Honigkauf seid ihr bitte dankbar und ehrfürchtig, was in so einem Honigglas für uns an Arbeit und Liebe drin steckt.
Ich hoffe, dass ihr nie wieder über einen Honigpreis von 10,- € (+) pro Glas meckert. Oh je, liebe Biene Maja, das machen wir nie wieder. Versprochen. Das finden wir jetzt sogar viel zu günstig. Wir auch. Wisst ihr, billige "Honige" sind meist nämlich gar kein reines Naturprodukt von uns. Diese werden oft mit minderwertigem Getreidesirup gepanscht und dann als Honig verkauft. Das macht uns traurig. Kauft Honig am liebsten immer direkt beim Imker, auf Wochenmärkten oder in Hofläden. Es gibt ganz viele verschiedene Sorten, die sich danach richten welche Pflanzen wir anfliegen. Probiert sie doch alle mal aus. Es würde uns freuen.

Der Honig ist zwar die Haupttätigkeit von uns Honigbienen, aber die viel verbreitetere Art sind unsere Verwandten, die Wildbienen, wozu übrigens auch die flauschigen Hummeln gehören. Die sind zwar etwas pummelig, aber ganz liebe und unfassbar produktive Wesen. Wildbienen sind eher Einzelgänger und leben nicht in Völkern. Ihre Haupttätigkeit ist es Wild- und Nutzpflanzen zu bestäuben. Rund 80% (!) unserer heimischen Blütenpflanzen werden von Wildbienen bestäubt. Am Tag kann eine Wildbiene bis zu 5.000 Blüten anfliegen. Die männlichen Kollegen sind auch hier ausschließlich für die Reproduktion zuständig. Das Hauptgeschäft der Blütenbestäubung hängt allein an den weiblichen Wildbienen.
Was hat das denn mit der Blütenbestäubung überhaupt auf sich? Wozu der ganze Aufwand? Pflanzen wollen sich, wie alle Lebewesen, vermehren. Nur können sie das nicht, wie Menschen und Tiere, in Form eines Geschlechtsaktes zwischen Männlein & Weiblein tun. Das hat die Natur so nicht vorgesehen. Sie müssen einen anderen Weg finden sich fortzupflanzen. Die Blüte jeder Pflanze besteht aus männlichen Staubblättern und weiblichen Fruchtblättern. Die Samen können sie aber nicht selbst auf die nächstgelegenen Blüten pusten. Sie brauchen Helfer und da kommen wir Bienchen ins Spiel. Die Pflanzen sind clever, werfen sich durch ihre bunten Blüten in Schale, um attraktiv zu wirken. Außerdem senden sie süßen Blütenduft, um uns Bienen anzulocken. Wir lieben bunte Farben und schöne Düfte. Deshalb fliegen wir so gerne die Blüten an und der männliche Blütenstaub, auch Pollen genannt, bleibt an unserem flauschigen Pelz hängen und wird dann automatisch zur nächsten Blüte transportiert. Dort bleibt er auf dem klebrigen weiblichen Teil der Blüte, auch Narbe genannt, hängen. Die Blüte wird somit bestäubt und ist befruchtet, wodurch ein Samen und eine Frucht entsteht. Das würde ohne uns nicht einfach so passieren. Der Wind kann das zwar auch, aber die Bestäubung durch uns Bienen ist deutlich effizienter, konstanter, gezielter und ertragreicher.
Und was hat das jetzt genau mit Ernährung zu tun? Die Blütenbestäubung ist Grundlage für die Existenz von so vielen Obst- und Gemüsearten, wie Äpfeln, Kirschen, Beeren, Melonen, Tomaten, Paprikas, Gurken, Kürbissen, aber auch Kakao, Kaffee, Nüsse, Kräuter und viele mehr. Diese Lebensmittel sind nicht nur Nahrungsquelle für euch Menschen, sondern auch Lebensgrundlage für die Tierwelt. Ohne uns Bienen und den Bestäubungsakt würde die natürliche Nahrungskette und das ökologische Gleichgewicht massiv gestört werden. Die Pflanzenvielfalt würde sich signifikant verändern und fast alle Blütenpflanzen aussterben. Das würde eine Nahrungsmittelkrise auslösen. Die Verfügbarkeit von Grundnahrungsmitteln würde wegbrechen, weil es Ernteausfälle geben würde und Quellen für lebenswichtige Nährstoffe wären langfristig nicht mehr ausreichend verfügbar. Das ganze Ökosystem würde zusammenbrechen. Die Welt würde vor einer dramatischen Katastrophe stehen, die die Existenz von allen Lebewesen stark gefährdet. Ach herje.

Zum Schluss möchte ich euch noch gerne auf einen Begriff aufmerksam machen, den ihr sicher alle schon mal irgendwo gehört habt und ihr möglicherweise gar nicht mit uns Bienen verbindet. Es ist ein Wort, welche Bedeutung jeder von euch kennen sollte. Die Biodiversität. Kommt uns definitiv bekannt vor, aber was ist das nochmal? Es bezeichnet die biologische Vielfalt der Gesamtheit des Lebens auf der Erde und umfasst 3 Stufen.
1. Die genetische Vielfalt innerhalb einer bestimmten Art an Lebewesen | |
Jedes Lebewesen ist, anhand seiner eigenen genetischen Merkmale (Erbgut/DNA), einzigartig. Eine hohe Diversität an individuellen Eigenschaften, innerhalb einer Art, erhöht die Anpassungsfähigkeit und Überlebenswahrscheinlichkeit dieser. | |
2. Die allgemeine Vielfalt an unterschiedlichen Arten an Lebewesen | |
Sie bezeichnet die Summer aller Arten auf unserem Planeten. Umso artenreicher unser Flora & Fauna ist, umso produktiver und widerstandsfähiger reagiert unser Ökosystem auf Umwelteinflüsse. | |
3. Die biologische Vielfalt an unterschiedlichen Ökosystemen | |
Bedeutet die Vielzahl an Lebensräumen, wie Wälder, Gebirge, Gewässer, Korallenriffe, Wüsten, Savannen, Grasländer, Regenwälder, etc., die für bestimmten Arten die Lebensgrundlage bilden. In diesen Räumen können sie sich spezialisieren, individuell entwickeln, anpassen und überleben. |
Was ich damit sagen will ist, dass wir Bienen eigentlich richtige Superhelden sind. Denn durch unseren täglichen Fleiß tragen wir, einen essentiellen und unverzichtbaren Teil für die Existenz der biologischen Vielfalt - oder Biodiversität - und dem Fortbestehen des Lebens auf der Erde, bei.

Liebe Menschen,
ich hoffe ihr versteht uns jetzt ein bisschen besser. Wir stechen nur zur Verteidigung, wenn ihr uns schubst und ärgert. Wir sind nur neugierig. Wir tun euch doch aber nichts, wir möchten euch, den Tieren und Pflanzen helfen. Bitte geht ab sofort ganz liebevoll und sorgsam mit uns um. Wir tun so viel für unsere Welt, weil wir möchten, dass sie uns so noch ganz lange erhalten bleibt.
Liebe Biene Maja,
das tun wir ab sofort. Es tut uns leid. Wir wussten das alles gar nicht. Du hast uns heute so gut aufgeklärt. Was ihr alles für die Erde tut, kann man gar nicht in Worte fassen. Vielen Dank für alles. Ihr seid wahre Helden. Wir werden euch Bienchen alle viel mehr wertschätzen und ab sofort wie Königinnen behandeln.



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