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Gähnend langweilig

16. Aug.
6 Min. Lesezeit

Jedem vom uns war es doch schon irgendwann einmal stink-langweilig. Da gibt es sicher keine Ausnahme. So richtig beschäftigt haben wir uns aber noch nie mit dem Thema Langeweile. Die wollen wir immer so schnell loswerden, wie sie gekommen ist. Ich habe mir die Frage gestellt, ob das wirklich so schlimm ist. Denn das Gefühl beziehungsweise dieser Zustand, in dem wir uns da befinden, ist psychologisch hochinteressant und gesundheitlich auch von großer Bedeutung. Na gut, wir sind da zwar noch skeptisch, aber du hast uns gerade neugierig gemacht. Wehe du langweilst uns heute. Habe ich das schon jemals getan? Nein, noch nicht, aber irgendwann ist immer das erste Mal. Na gut, aber ich glaube das wird, anders wie das Thema vermuten lässt, noch nicht heute sein. Lasst mich meine Gedanken kurz sammeln und dann starten wir rein.



Hast du deine Gedanken gesammelt? Ja, alle vollzählig. Dann klären wir doch zuerst mal auf, was Langeweile eigentlich ist. Das weiß doch jedes Kind. Seid euch da mal nicht so sicher. Wieso, gibt es da mehrere Definitionen? Genau, die gibt es. Wir müssen nämlich unterscheiden, von welcher Form von Langweilige wir sprechen. Was? Es gibt mehrere Formen? Ach du Heiliger. Ja, um genau zu sein 2 Stück. Puh, Langeweile im Doppelpack klingt schrecklich. Quatsch, Langeweile im Doppelpack heißt doch Abwechslung.


Zum einen haben wir die äußere Reaktion "Gelangweilt sein". Diese kommt von außen (auch extrinsisch genannt). Wir tun zwar passiv/aktiv etwas, was uns aber nicht interessiert oder befriedigt. Die Beschäftigung bietet uns nicht genug Reize oder unterfordert uns. Zusammengefasst heißt das, wer gelangweilt ist, ist mit der aktuellen Beschäftigung unzufrieden. Wenn wir also etwas als langweilig und uninteressant wahrnehmen, dann empfinden wir die Tätigkeit oder Sache für uns als wenig sinnvoll. Das sind beispielsweise Themengebiete in der Schule, Aufgaben im Job oder bestimmt Hobbys und Freizeitaktivitäten. Das heißt nicht, dass diese per se für jeden Menschen sinnlos sind, nur hat man persönlich daran einfach wenig Interesse. Diese Situation kann gelöst werden, wenn wir uns einer ganz anderen Sachen widmen, die uns herausfordert und motiviert. Etwas, das uns Sinn gibt und wofür wir dann auch eine Leidenschaft entwickeln. Das muss jeder selbst entdecken. Hört da auf euren Bauch und eure Intuition. Probieren geht hier über studieren.


Zum anderen haben wir das innere Gefühl "Langeweile haben". Diese kommt von innen heraus (auch intrinsisch genannt). Wir haben ein Bedürfnis etwas zu tun, wissen aber nicht so recht, was genau wir tun sollen. Hier fehlen uns Ideen, der Antrieb oder ein bestimmtes Ziel. Zusammengefasst heißt das, wer Langeweile hat, sucht nach einer Beschäftigung. Wenn wir also gerade absolut gar nichts zu tun haben, dann liegt die Antwort eigentlich auf der Hand. Wir brauchen nur eine gute Idee, was wir tun können, um uns aus dem Zustand zu befreien. Es ist halt ein unangenehmes Gefühl, das wir als negativ wahrnehmen. Daher muss eine Lösung her. Wir möchten Spiel, Spaß und Überraschung. Wir wollen unterhalten werden. In der heutigen Welt können wir zwischen so vielen Dingen wählen. Eigentlich haben wir nur die Qual der Wahl.



Aber wartet kurz. Müssen wir das überhaupt? Wenn du so fragst bestimmt nicht, oder? Genau, müssen tun wir das nicht. Wir tun es aber, weil sich alles besser anfühlt als Langeweile zu haben. Das liegt daran, dass wir in einem Kreislauf feststecken. Nennen wir es die "Dopamin-Serotonin-Achterbahn". Dopa... was, Sero... wie? Erkläre ich euch.


Dopamin und Serotonin gehören beide zur Gattung der Glückshormone. Sie sind sogenannte Neurotransmitter, also Botenstoffe in unserem Körper. Stellt es euch vor, wie innere Postzusteller, die uns Nachrichten übermitteln und Emotionen in uns auslösen. Es gibt darüber hinaus noch zahlreiche andere Hormone (z.B. Cortisol, Oxytocin, Endorphine, Adrenalin, etc.) die uns emotional beeinflussen. Wir fokussieren uns aber auf die beiden Hormone Dopamin und Serotonin.


  • Dopamin ist "der "Antreiber" und wird auch als unser Motivationshormon bezeichnet. Es weckt unsere Lebensgeister und animiert uns etwas zu tun.

    • Es steigt sehr schnell, fällt dann aber doch recht zügig wieder.


  • Serotonin dagegen ist "der "Ruhepol" und fungiert als unser Wohlfühlhormon. Es sorgt für emotionale Gelassenheit und beruhigt uns.

    • Es steigt eher langsam, hält dafür aber länger an.


Dopamin hat demnach immer ein Verlangen nach etwas (= "Ich will das"). Sobald dieser Drang gestillt wurde kommt Serotonin ins Spiel und beruhigt uns (= "Ich bin zufrieden"). Ein klassisches Beispiel ist der Wunsch nach Süßigkeiten. Wenn wir Lust auf Schokolade haben, wird Dopamin freigesetzt. Sobald der Wunsch erfüllt wurde, wird Serotonin ausgeschüttet. Grundsätzlich ist diese Beziehung der beiden ganz normal und gesund, jedoch kann es auch schnell zu einem Beziehungsproblem werden. Wie, das zeige ich euch.



Dopamin ist der Jäger und hat evolutionsbiologisch immer dafür gesorgt Nahrung zu jagen und Gebiete zu erkunden. Jeder Erfolg wurde durch einen Dopaminschub belohnt und spornte uns an immer weiterzumachen. Serotonin ist der Sammler und genießt den Augenblick, wenn wir zufrieden sind. Damals am Lagerfeuer zusammen mit der Sippe saß und aß. Serotonin versucht demnach unser Dopamin zu regulieren, weil wir nicht immer auf der Jagd sein sollten, sondern auch zur Ruhe finden und Energie aufladen müssen. Gleichgewicht ist hier das Zauberwort.


So viel zur Theorie. In der Praxis, vor allem in der heutigen Zeit, kann dieses Wechselspiel aber schnell zum Problem werden. Ui, warum das denn? Weil wir heute die beiden Hormone ganz unnatürlich auslösen können. Früher, als vor nur ein paar Jahrzehnten, hatten wir diese Probleme noch nicht, da fast alle Reize aus natürlichen Quellen kamen. Heutzutage, in der modernen Welt, werden wir mit Reizen künstlichen Ursprungs konfrontiert. Wir werden regelrecht überflutet und desensibilisiert von allem, was tagtäglich auf uns einwirkt.


Stellt es euch so vor, dass wir ein "Dopamin-Serotonin-Basisniveau" haben. Wenn wir gewöhnliche Reize verspüren, steigt der Spiegel an und fällt dann langsam wieder in die Ausgangslage. Dann gibt es aber sogenannte Hormonspitzen, die diese Balance aus dem Gleichgewicht bringen können. Das passiert dann, wenn wir einen außergewöhnlich oder unnatürlich starken Reiz verspüren. Auf den steilen Anstieg folgt der Crash und unsere beiden Hormone fallen sogar unter das Basislevel.


Jetzt entsteht ein Teufelskreis, welcher uns eine Berg-und-Talfahrt beschert und unser Basislevel immer weiter sinken lassen kann. Unser Körper ist nämlich mit normalen Reizen nicht mehr zufrieden, dass er uns auf die Jagd nach immer stärkeren Reizen schickt, um uns aus dem Sumpf zu ziehen. Jede Jagd wird immer schwieriger erfolgreich zu gestalten, weil die Erwartungen höher werden. Wir brauchen etwas noch spannenderes, noch aufregenderes, als bei der Jagd davor. Dadurch verlieren wir bald Gefallen an der normalen Jagd und alltäglichen Dingen. Unsere Lebensfreude sinkt rapide. Leider führt das langfristig oftmals zu Depressionen und Süchten aller Art.



Wir können auf 2 Weisen Dopamin und Serotonin in unserem Körper freisetzen.

Natürliche Reize (Quellen)

Unnatürliche Reize (Quellen)

... sind gesundsförderliche und auch nachhaltige Reize, die durch einen positiven Lebensstil entstehen.

... sind schädliche und eher "künstliche" Reize, die durch einen negativen Lebensstil entstehen.

Beispiele:

🍏 Gesunde Ernährung

🏌🏻Aktiv sein und Sport

😴 Erholung und Schlaf

👨‍👩‍👧‍👦 Familie und Freunde

🌳 In der Natur sein

🏖️ Reisen und Ausflüge

🎧 Musik hören, Buch lesen

📖 Lernen und Rätseln

🖌️ Schreiben, Malen, Basteln

🔋 Positive News

Beispiele:

🍔 Kalorienreiches Junk Food

📱 Smartphone & Social Media

📺 Übermäßiger Medienkonsum

❤️‍🔥 Exzessive Pornografie

🦠 Drogen, Alkohol, Nikotin

💊 Bestimmte Medikamente

🛒 Online-Shopping

🎲 Glücksspiele und Gaming

📰 Push-Benachrichtigungen

💌 Moderne Dating Apps

Führt zu ausbalancierten Ausschlägen des Hormonspiegels, was zu einem Normalniveau oder sogar leichten Anstieg des Basislevels führt. Befriedigung erfährt man durch alltägliche Reize.

Führt zu extremen Ausschlägen des Hormonspiegels, was langfristig zu einem stetigen Absinken des Basislevels führt. Befriedigung findet man nur noch durch starke und immer intensivere Reize.



Wir sind in dem Blog etwas abgedriftet. Wieso wir? Na gut, ich. Grundsätzlich ist es so, dass wir nicht immer auf die Jagd gehen und ausschließlich zwischen den beiden Formen von Reizen selektieren müssen. Wenn doch, dann wählt zumindest die richtige "Sorte" aus. Meine heutige Message ist aber auch, dass wir Langeweile als etwas sehr Positives und Gutes sehen dürfen. Am Anfang ist es schwer die Langeweile zu akzeptieren, weil sie sich unangenehm anfühlt. Die Gewohnheit nach Ablenkung ist dann doch gar nicht so einfach abzustellen. Aber das ist alles Übungssache.


Lasst uns einfach mal nichts tun, in einer rastlosen Welt, die sich ständig bewegt. Wir müssen weder mit noch gegen den Strom schwimmen. Einfach mal treiben lassen. Wir sollten wieder mehr zur Ruhe kommen, um uns zu erden. Dazu reicht ein leiser Ort und unser Atem. Wenn wir wahre Erholung suchen, dann sollten wir Langeweile als festen Bestandteil in unser Leben integrieren und als willkommen Gast anerkennen. Also los, langweilt euch, aber mit Leidenschaft (;

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